Subjektive Gefühle

US-Amerikaner beispielsweise sind daran gewöhnt, im Ausland regelmässig auf Pressemeldungen über die Militärstreitkräfte ihres Heimatlandes zu stossen.

Aber als Österreicher ist man auf so was natürlich wenig vorbereitet.

Daher empfand ich, als ich diesen Donnerstag in einem Münchner Cafe via Süddeutsche Zeitung von einem jähen militärischen Gruß aus der Heimat ereilt wurde, eine merkwürdig mit Stolz unterfütterte Baffheit. Wer rechnet schon in einem deutschen Qualitätsblatt mit dem österreichischen Bundesheer? Und dann gleich noch mit einem üppig illustrierten Seitenaufmacher? Doch unübersehbar wurde unter dem Titel Die nackte Kanone – made in Austria über eine bemerkenswerte, heeresproduzierte Seitenblüte des österreichischen Films berichtet: Breitbeinig sitzt er da, der kahlgeschorene Macho. Um ihn und sein Auto scharen sich vier junge Frauen. Doch der Panzer, der durch den Nebel angerast kommt, stiehlt ihm die Show. „Na, Mädels? Lust auf eine Spritztour?“ Die Mädels hüpfen durcheinander, völlig aufgekratzt. „Kommt zum Bundesheer, da könnt ihr Panzer fahren“. Der Panzer fährt los, die Frauen rennen hinterher. Der kurze Werbespot schliesst mit dem Satz: „Das österreichische Bundesheer bietet einmalige Chancen für die Jugend ab 18.“

Und zu diesem ohnehin äusserste Wonnen der Peinlichkeit versprechenden Geschlechterschwank wird dann auch noch der österreichische Oberst Johann Milonig von der Heeres-Marketingabteilung mit dem Verdikt "Unser Clip ist so deppert, dass er schon wieder genial ist.“ zitiert. Ich war sicher nicht der einzige, der daraufhin erstmals im Leben die Homepage des österreichischen Bundesheeres aufrief.

Doch dort war der Spot bereits panisch gelöscht. Immerhin aber finden sich mehrere, ästhetisch stark an Schulfunkproduktionen der frühen Achziger orientierte Heer 4 You -Kurzfilmchen, die ebenfalls von z.T. haarsträubender Komik sind. Und den österreichischen Panzertrottelweiberaufreissfilm findet man ja inzwischen ebenso auf Youtube wie das plagiierte ukrainische Original.

Verteidigungsminister Darabosch findet mittlerweile den Spot übrigens sexistisch und schwachsinnig, was zwar inhaltlich richtig, aber für einen obersten Befehlshaber doch irgendwie ein bissi feig ist.

Bleibt zu hoffen, dass er wenigstens Manns genug sein wird, die nun unvermeidlich einsetzenden "Verschwendung!"-Rufe zu ignorieren.

Schliesslich hat sich die Republik ja auch den Heeres-Grenzschutz, bei dem 2009 immerhin 9 Personen aufgegriffen wurden,  12.5 Millionen Euro kosten lassen. Mit der Begründung, dass dadurch das "subjektive Sicherheitsempfinden" von irgendwem gestärkt würde.

Da sollte es wohl nicht auf ein paar zehntausend Euro für einen Videoclip ankommen, der das "subjektive Sexynessgefühl" von drei, vier Panzergrenadieren stärkt.