Freundschaftsdienstleistung

 von Thomas Maurer und Florian Scheuba

Ähm… Grüß Gott, tschuldigen bitte die Störung.
Wir wollten uns nur vorstellen bei Ihnen, weil wir hier frisch in diese Rubrik eingezogen sind. Wir werden uns vermutlich öfters sehen jetzt. Also, nicht wir uns, obwohl, das eh auch, aber eben Sie uns.

Wir sagen Ihnen, wir waren so froh, wie wir das Platzerl hier gefunden haben. Schön is’ da, nicht? Die Fotos, das Layout … Herrlich.
Wir waren ja jetzt monatelang unterkunftslos, als Ess&Trink-Kolumnisten, ein Albtraum. Keine Möglichkeit mehr, Wirtshausrechnungen in die Steuer zu nehmen, und man hat auch selber um zwei in der Früh an der Bar nicht mehr das Gefühl, für einen Text zu recherchieren, sondern kommt sich plötzlich vor wie ein ganz ein normaler Tschecherant. Furchtbar. Furcht. Bar.
Also, wie gesagt, wir wollten uns nur kurz vorstellen, wir werden jetzt einmal pro Heft an dieser Stelle einen Text schreiben, so was Ähnliches wie den
Folgenden meistens:

Der Siegeszug des Smartphones hat eine besonders perfide Form der nächtlichen Ruhestörung möglich und üblich gemacht: Aufgeschreckt vom Neue-Nachricht-Zwitscherplink-Ton öffnet man den Eingangsordner, worauf man in der Regel uhrzeit­adäquat unscharfe Fotos von sehr teuren, aber leeren Flaschen erblickt, zugeschickt von irgendwelchen kreuzfidelen Kumpels, welche einen auf diesem Weg ein bisschen an ihrem akuten Lebensfreudeüberschwang teilhaben lassen wollen.

Wenn man ein entsprechend pawlowsch konditionierter Weinfreund ist, reagiert man darauf ärgerlicherweise obendrein so, dass man umgehend einen Guster auf das abgebildete Getränk bekommt, was im Extremfall zu Spontanexpeditionen in den eigenen Keller samt angeschlossenem Zurückschicken eines Leere-Flaschen- Fotos eigener Fertigung führen kann.
Man kann darin eine zeitgemäße Adaption der guten, alten Brieffreundschaft sehen, und als Praxis ist das gewiss auch persönlicher als beispielsweise seine 872 Facebook-Freunde wissen zu lassen: „Mach mir jetzt 1 Bier auf ;-))))“.

Um einen wirklichen Ersatz für gemeinsam durchlebte und durchzechte Nächte nebst dazugehöriger, ebenso fundamentaler wie unre­konstruierbarer philosophischer Gespräche handelt es sich aber, so fühlt man intuitiv, eher nicht.

Davon abgesehen, dass das Alleine-Trinken einen ja sowieso aus psychologischer, sozialer und toxikologischer Sicht leicht verdächtig macht. Aber gleich nüchtern bleiben, nur weil grad niemand Zeit hat, mit einem wegzugehen?

Die gute Nachricht: Abhilfe für dieses Problem wurde bereits geschaffen, und zwar knapp jenseits der EU-Außengrenze.
Wir zitieren: „Mit einem ungewöhnlichen Angebot macht eine Firma in der Ostukraine von sich reden: Für nur 150 Hrywnja (etwa 14 Euro) vermietet das Unternehmen Saufkumpane. ‚Es ist ein netter Gefährte, der einen langweiligen Abend aufheitern kann’, sagte Unternehmenschefin Julia Pejewa aus der 300.000-Einwohner-Stadt Dnjeprodserschynsk der Nachrichtenagentur AFP.

Der Gemietete sei über das gemeinsame Trinken hinaus auch offen für Gespräche - von Politik über Kunst bis zu Frauen oder sei es auch nur, um den Zustand der Welt zu beklagen.“
Zu ergänzen wäre noch, dass das zur Auswahl stehende Personal nach Auskunft von Frau Pejewa durch die Bank „talentiert“ ist und häufig sogar zum „Gitarre spielen, singen oder Gedichte aufsagen“ fähig. Und vermutlich gibt es auch für den erwähnten Typus des pawlowsch konditionierten Weinfreundes maßgeschneiderte Kumpane, die darauf trainiert sind, über biodynamische Rhone-Weine zu plaudern, über die kulturphilosophischen Auswirkungen des Schraub­verschlusses auf die Trinkkultur oder auch die hypothetischen Ergebnisse, die man durch Aussetzen von Rotem Veltliner auf argentinischen Höhenlagen erzielen könnte.Als Autoren dieser Kolumne sind wir auf derlei menschenfreundliche Sozialkrücken allerdings nicht angewiesen. Wir haben ja einander zum Vollquatschen. Und jetzt auch wieder ein Kolumnenkästchen zum Vollschreiben.