Premierenbericht: "Stinknormal"

Feine Nase, guter Riecher ? Thomas Maurer hat sowohl einen chinesischen Suppenhund als auch eine feine Nase. Eine schlechte Kombination für sein Seelenwohl, eine gute Vorraussetzung für ein unterhaltsames Kabarettprogramm.

In "Stinknormal" dreht alles um ganz alltägliche Themen wie die Kolonisierung der Ameisen, mobile Notfallsstraßenkehrer und 200 Millionen Hautflankerl. Gnade oder Fluch?? Da kann man machen was man will: Eine Wohnung, die man mit einem treuen Vierbeiner bewohnt, hundelt. Doch das menschliche Riechorgan lässt Gnade wallten: In der eigenen Wohnung nimmt man den Geruch irgendwann nicht mehr wahr. Wie ist das mit Schwarz-Blau?

Die haben doch am Anfang auch irgendwie faul gerochen... "Wenn Verdrängen so einfach wäre...?" Leider ist das mit dem Verdrängen nicht immer so leicht. Das schlechte Gewissen kommt nämlich immer dann, wenn man es am wenigsten braucht. Hat man einmal nichts Böses ahnend, eine Dokumentation über Kakaoplantagen und Kinderarbeit gesehen, holt einen das schlechte Gewissen prompt ein. Zum Beispiel, wenn man mit seinen neu erstandenen Nikes schokoriegelmampfend auf der Mariahilferstraße vorm H&M steht und alle anderen bester Laune sind.

In diesem Dilemma muss sich jeder gut erzogener Konsument die Frage in Wiener Facon stellen: "Wie komm` ich dazu?" Kaugummi & Kabarett? Sobald Thomas Maurer die Bühne betritt, ist eines klar: Er hat einen guten Riecher. Für Kaugummis an Schuhsohlen, wie auch für Kabarett. Maurer macht Kleinkunst in unverfälschter Form. Er führt kein Stück auf, sondern erzählt einfach drauf los. Der Schmäh rennt wie von selbst mit. Karin Geisler