LINZ. Thomas Maurer las am 20. März „Soldatenleben in Frieden“ im Linzer Posthof.

Schon 1992 hatte Thomas Maurer die unter dem Titel „Soldatenleben in Frieden“ Texte von Egon Friedell und Alfred Polgar szenisch gelesen. 2013 jährte sich Friedells Todestag (16. März 1938) zum 75. Mal, also trat Maurer am Mittwoch im Linzer Posthof den Beweis an, dass die Formulierungsgenialität dieser beiden Kaiser der Kaffeehausliteratur gegen Vergänglichkeit immun ist. Einer wie Maurer würde auch nicht zum Abstauben alter Dokumente taugen. Sein Spitzbubengesicht verwandelt sich in mehr als 40 unterschiedliche Fratzen, zweieinhalb Stunden (mit Pause) entlarvt er mit Einaktern und Parodien, die 100 Jahre alt sind, die Lächerlichkeit des gegenwärtigen Kultur- und Gesellschaftslebens. Was Friedell und Polgar in ihren „Zeitungskritiken“ oder in ihrem „Bösen Buben Journal“ verhöhnen, erfährt seine Aktualität durch gegenwärtige Leitartikel und gesellschaftliche Phänomene aus Fleisch und Blut, die sich heute bloß anders kleiden.
Maurer schindet sich und seine Stimme. In einigen Momenten verliert er sich selbst im Spielrausch – und die Textdeutlichkeit gleich dazu. Er plagt sich derart, als würde er mit den Texten in Konkurrenz um den Applaus treten wollen.

Das ist nicht gar nötig, der Applaus reicht für alle.

Thomas Maurer: „Soldatenleben in Frieden“, szenische Lesung mit Texten von Egon Friedell und Alfred Polgar. Posthof Linz, 20. März.